Feminismus · Gesellschaft

Themenwochen: Gesellschaftlicher Erwartungsdruck- Gesellschaftliche Erwartungen an Frauen und Mütter im Wandel der Zeit

Eines meiner Herzensthemen ist der generationsübergreifende Feminismus. Aus diesem Grund widme ich meine nächsten Texte dem Thema der gesellschaftlichen Erwartungen an Frauen. Ich beziehe mich dabei auf einen groben Zeitraum der letzten 100 Jahre, das entspricht für mich in etwa der Generationen meiner Oma, meiner Mama und mir. Es ist wichtig einmal zu schauen, wo wir herkommen und wie die Frauen in den unmittelbaren Generationen vor uns aufgewachsen sind. So können wir besser verstehen, was unsere Mütter und Großmütter bewegt hat und wir bekommen die Möglichkeit herauszufinden, was ihre Handlungsmotive waren. Mit meinen Texten möchte ich ein umfassendes Bild geben, das es uns ermöglicht, Dinge in einem größeren Zusammenhang zu sehen und so wieder mehr zueinander zu finden. Sisterhood hat in meinen Augen keine Altersgrenze und ich wünsche mir für die Zukunft einen Feminismus, der alle Altersklassen zusammenführt.

Warum ist es so wichtig, sich den gesellschaftlichen Erwartungsdruck anzuschauen? Was sind gesellschaftliche Erwartungen?

Gesellschaftliche Erwartungen geben uns eine Richtlinie, wie unser Leben im Optimalfall zu laufen hat, um bestmöglich in die Gesellschaft zu passen. Dazu gehört hierzulande beispielsweise das Erreichen eines guten Schulabschlusses, anschließendes Studium/ anschließende Ausbildung, die Festanstellung in einem Job (am besten mit lebenslanger Firmenzugehörigkeit), das Gründen einer Kleinfamilie und irgendwann schließlich die wohlverdiente Rente. Hinzu kommen dann noch Rollenerwartungen, eine weitere Form der gesellschaftlichen Erwartungen. Hierbei geht es spezifischer dann um die Erwartungen an einzelne Menschengruppen. Für meine Themenreihe interessant sind die Rollenerwartungen an die Frau und Mutter und wie diese sich im Laufe der Jahre entwickelt haben. Es ist deshalb so wichtig, sich das genauer anzuschauen, weil diese gesellschaftlichen Erwartungen an Frauen einen großen Einfluss auf uns haben, ob uns das nun bewusst ist oder nicht. Sie beeinträchtigen unser Denken und Handeln, und das bereits im Kindesalter.

Diese Erwartungen sind auf unterschiedliche Arten und Weisen hör- und spürbar. Bei Kindern beginnt es beispielsweise damit, dass es immer noch von der Gesellschaft klar definierte Farben für Jungen und Mädchen gibt, für die einen blau, für die anderen rosa. Weiter geht es dort mit der Kleidung, so sind Röcke und Kleider für Mädchen, Jeans und Pullover für Jungen. Noch weiter geht es dann mit dem erwünschten Verhalten, schließlich machen Mädchen sich nicht dreckig. Sie sitzen ruhig am Tisch und machen ein Puzzle oder spielen mit dem Puppenhaus, während die Jungen draußen im Matsch rumspringen.

Das mag jetzt überzogen klingen und ich weiß, dass hier schon ein Wandel stattfindet, aber dennoch ist das unsere Realität. Immerhin wurde ich schon mehr als einmal schräg dafür angeschaut, wenn meine Tochter bis zur Hüfte in der Matschepfütze stand oder im Sommer barfuß mit zum Einkaufen kam.

Hier eine kleine Randinformation: vergleicht gerne einmal ein ausgewiesenes Mädchen T- Shirt mit einem ausgewiesenen Jungen T- Shirt derselben Größe und desselben Herstellers. Ihr werdet feststellen, dass die Mädchenbekleidung kürzer, enger und tailliert geschnitten ist, im Gegensatz zur Jungenbekleidung. Dasselbe gilt auch bei Hosen. Das Ganze zieht sich so weiter und wird immer komplexer. Mit jedem Lebensjahr kommen neue Erwartungshaltungen hinzu, die nicht immer offen kommuniziert werden. Das kann simple TV- Werbung sein, die uns sagt, was wir kaufen müssen, um noch schöner zu sein. Wie schön wir sein müssen und was schön überhaupt ist, lernen wir durch TV- Shows, social media und sonstige Kanäle. Hinzu kommen Kommentare von Außenstehenden- Bewertungen, rhetorische Fragen, ab- oder aufwertende Komplimente. Nicht nur für das Aussehen, sondern auch für den Lebenslauf.

Die Vergangenheit beleuchten, um unser Heute besser zu verstehen

Die Gesellschaft, die Industrie, ja sogar die ganze Welt stellt also schon bestimmte Rollenerwartungen an unsere Kinder und in der Folge auch an uns. Wir wuchsen selbst damit auf, unfähig, in einem so jungen Alter zu reflektieren und zu filtern. Genauso erging es unseren Müttern und Großmüttern- die allerdings noch mehr Beschränkungen unterlagen, als wir es heute tun.

Genau darauf möchte ich in den nächsten Wochen näher eingehen. Ich werde aufzeigen, was diese Erwartungen waren und inwieweit sie die Frauen vor uns beschränkt haben. Ich möchte auf diese Weise ermöglichen, dass wir einander wieder besser sehen und verstehen können. Auch, wenn wir uns nicht alle einig sind, so können wir schauen, wo die anderen herkommen, um zu verstehen, warum sie einen bestimmten Weg gegangen sind.

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