Ich bin bekennender Sisterhood- Fan. In meinen Augen war es noch nie so wichtig wie heute, dass wir Frauen zusammenhalten, egal, wie alt, woher und ob als Frau geboren oder erst später zur Frau geworden. Mir gelingt es aber an manchen Stellen nicht sonderlich gut, eine Schwester zu sein. Das ist dann der Fall, wenn persönliche Wunden getroffen oder „die richtigen Knöpfe gedrückt“ werden. Wenn beispielsweise mein Verhalten und/ oder Handeln bewertet wird, ohne, dass mein Gegenüber auch selbst reflektiert. Wenn sich eine Frau über mich stellen möchte, weil sie denkt, sie könne etwas besser oder wisse etwas besser- dann gerate ich sehr schnell in einen Verschlussmechanismus. Ich verschließe mich und mein Herz, bin auf Konfrontation aus und finde wirklich kein gutes Haar mehr an der anderen Frau.
Warum ist das so?
Ich setze auf Kommunikation auf Augenhöhe. Kritik ist vollkommen okay, sogar notwendig, und ich sehe Kritik gern. Diese Kritik muss für mich greifbar und wertschätzend sein. Einfach zu sagen „Du machst das scheiße, ich kann das viel besser!“ führt bei mir zu dem Gefühl, angegriffen zu werden. Sobald wir uns angegriffen fühlen, denken wir nicht mehr rational und sind auch nicht mehr bereit, der anderen zuzuhören. Wir gehen in den Verteidigungsmodus. Passieren solche Dinge über Jahre hinweg und scheitern sämtliche Klärungsversuche, spricht der Volksmund wohl von verhärteten Fronten.

Es kommt also darauf an, wie wir miteinander umgehen und miteinander reden. Ich persönlich halte mir immer vor Augen: Wir wollen alle zusammen große Dinge erreichen. Ich muss nicht alles gut finden, was die anderen machen. Die Frage ist, wie ich damit umgehe. Schadet es mir oder anderen? Nein? Dann go for it. Schadet es vielleicht doch? Dann sollten wir darüber reden.
Eine friedvolle und gewaltfreie Kommunikation ist nicht nur bei der Begleitung von Kindern wichtig, sondern auch unter uns. Wohlwollen und Wertschätzung gehen also als Leittiere voran und stehen in großer, blinkender Neonschrift über jedem Gespräch. Ratsam ist es, den Dialog zunächst mit etwas Positivem zu beginnen, in etwa „Ich finde, dass und das machst du richtig gut“ oder „Mit dieser Rede hast du mich wirklich zum Nachdenken gebracht, danke dafür!“. Weiter geht es dann mit dem, was uns stört. Auch das kann man möglichst positiv und vor allen Dingen nicht verletzend, sondern konstruktiv vorbringen. Wichtig ist dabei, vom Absolutismus wegzukommen und seinem Gegenüber die Möglichkeit einzuräumen, sich zu erklären und selbst zu reflektieren. Das könnte vielleicht so aussehen: „In deinem Text hast du dieses und jenes geschrieben, aber ich denke, das stimmt so nicht. Vielmehr verhält es sich meiner Meinung nach so und so. Was meinst du?“. Wir stellen die andere also nicht bloß oder kritisieren wild, sondern legen es auf einen echten Austausch an. Menschen reagieren in der Regel freundlicher und offener, wenn wir das Signal aussenden „Hey, ich will dich nicht verletzen, sondern mit dir zusammen noch einen Schritt weitergehen. Hast du Bock?“
Das klappt nicht immer, es kommt auch auf die Tagesform an. Wenn ich einen richtig schlechten Tag habe, kann es auch mal sein, dass die beste und wertschätzendste Kritik mich aus dem Konzept bringt. Auch sowas kommuniziere ich dann und bitte darum, das Gespräch etwas aufzuschieben, bis ich wieder klar denken kann. Wir müssen nicht immer und sofort auf alles eingehen oder eine Antwort parat haben. Wir dürfen einander Zeit geben und uns diese auch nehmen, um nachzudenken.

Was können wir mit den Frauen tun, die uns selbst dann noch kein Gehör schenken und uns einfach weiter übergehen?
Manchmal scheitert jeder Kommunikationsversuch, sei er auch noch so gut gestaltet und formuliert. Hat mein Gegenüber absolut kein Gehör dafür, verpuffen selbst die besten Absichten im Wind. Ich lerne gerade, mich in solchen Fällen zu distanzieren. Auch das ist okay, auch innerhalb einer Schwesternschaft.
Und was ist, wenn die Sympathie einfach nicht stimmt? Wenn ich „die andere“ einfach nicht leiden kann?
Wir können trotzdem eine Gruppe sein. Dabei muss ich an die Kita- Gruppe meiner Tochter denken. Dort gibt es exakt ein Kind, welches sie einfach nicht mag. Das kommuniziert mein Sprössling auch so. Jedes Mal sage ich ihr dann: „Das ist okay, du musst nicht jeden Menschen mögen. Du darfst einfach mit den anderen Kindern spielen und ihr geht euch aus dem Weg.“ Genau so kann es für uns im Erwachsenenleben auch funktionieren. Wir müssen uns nicht super mit allen verstehen, auch nicht innerhalb einer Schwesternschaft. Wir müssen lediglich lernen, Grenzen zu akzeptieren. Der Tisch ist lang genug, dass zwei sich nicht sympathisierende Menschen an verschiedenen Enden sitzen können. Es wird noch genug andere Gesprächspartnerinnen geben, da bin ich mir sicher.
Ich plädiere für Zusammenhalt und dafür, an einem Strang zu ziehen. Das können wir zum Glück auch dann tun, wenn wir nicht immer einer Meinung sind. Solang die Grundwerte stimmen, können wir in einer Reihe stehen und gemeinsam für unsere Sache einstehen. Dabei müssen wir nicht mit jeder Frau Freundschaft schließen, sondern uns gegenseitig und unsere verschiedenen Sichtweisen respektieren. Ich kann nämlich auch respektieren und akzeptieren, dass eine Frau so ganz anders tickt als ich und auch ganz anders denkt. Mit solch einer Frau werde ich wahrscheinlich nie schwesterlich bei einer Tasse Tee sitzen und die tiefsten Geheimnisse austauschen, aber das ist okay so. Wir können einander zunicken sobald wir uns begegnen und dürfen dann einfach weitergehen, wissend, dass wir vom Kopf her nicht übereinstimmen, aber im Herzen dieselben Werte tragen.