Die Frau und ihr Monatszyklus- ein wichtiges Thema.
Lange Zeit hat mich mein Zyklus überhaupt nicht interessiert. Ich wusste nicht einmal so recht, dass ich einen habe. Also in der Theorie schon, in der Praxis sah es aber anders aus. Auf Grund einer Hormonstörung und daraus resultierenden neverending Perioden, bekam ich mit etwa 14 Jahren die Pille verschrieben. Zyklus adé. Gute zehn Jahre lang habe ich blind die Pille geschluckt (die Pille selbst ist ein Thema für sich, da schreibe ich gerne mal wann anders drüber). Aus vielen Gründen habe ich diese dann nach etwa zehn Jahren abgesetzt. Ich bekam eine Idee von einem Zyklus: Bei mir war er zumindest schonmal recht unregelmäßig und unberechenbar. Nicht sehr spaßig. Das war es aber auch schon und ich gewöhnte mich daran. Ich wurde trotz Unregelmäßigkeiten schwanger. Ein paar Monate nach der Geburt lernte ich dann zum ersten mal meinen Zyklus so richtig kennen.

Dachte ich früher noch „Ach, was stellen sich manche Weiber denn so an mit ihren Hormonen“ (Patriarchat lässt grüßen), wurde ich dazumal eines besseren belehrt. Zwar kam meine Periode nun regelmäßiger, aber sie kam nicht mehr allein. Mein Zyklus lässt sich seither ganz eindeutig in zwei Teile zerlegen: Die erste Hälfte und die zweite Hälfte.
Die erste Zyklushälfte ist super. In der Regel habe ich gute Laune, viel Energie und blicke zuversichtlich in die Zukunft. Ich kann Projekte angehen, viele Termine wahrnehmen und das Leben ist einfach ein Fest. Ich brauche tatsächlich weniger Schlaf, um mich fit zu fühlen. Ich bin geduldig und ruhe in mir selbst. Es geht bergauf. Um den Eisprung herum habe ich dann die Bergspitze erreicht. Danach geht es steil bergab.
Die Hormone der zweiten Zyklushälfte sorgen so ziemlich für das genaue Gegenteil der ersten Zyklushälfte. Meine Laune sinkt Stück für Stück, die Tage werden unfassbar anstrengend. Ich bin dauernd müde und leicht reizbar. Und, wenn ich ganz viel Glück habe, fangen die Rückenschmerzen schon eine Woche vor der Periode an- und werden erst wieder mit dem Eintreten ebendieser verschwinden. So krieche ich durch die zweite Zyklushälfte und warte sehnsüchtig auf das Eintreffen meiner Regelblutung, denn die ist dann wie ein Befreiungsschlag. Die Talfahrt hat ihr Ende, es geht wieder hinauf in die sonnigen Gefilde des Lebens.

Nicht jeder Monat ist gleich. Mal ist es besser, mal schlimmer. In jedem Fall aber merke ich ganz deutlich, in welcher Zyklushälfte ich mich befinde.
Wozu denn eigentlich dieser ganze Text über meinen Zyklus?
Weil zu wenig darüber geschrieben wird, finde ich. Es ist nach wie vor so, dass ich (oft auch von anderen Frauen) höre, ich solle mich nicht so anstellen. Schließlich hat ja jede Frau ihre Periode. Ist doch kein Grund zum jammern. Tampon rein und weiter zum daily business. Aber genau das ist der springende Punkt: Manchmal ist es so schlimm, dass das Tagesgeschäft nicht mehr zu bewältigen ist. Das hat herzlich wenig mit Anstellerei zu tun. Viel mehr gibt es einfach Zyklen, in denen der Hormoncocktail sodermaßen hochdosiert reinknallt, dass gar nichts mehr geht. Da ist dann einfach die Laune im Keller (das kann bis hin zu depressiven Verstimmungen gehen), der Körper schmerzt und es ist null Energie da.
Das Patriarchat hat lediglich dafür gesorgt, dass wir Frauen das ganz oft mit uns selbst ausmachen. Wir haben vieleicht die ein oder andere Freundin, mit der wir darüber reden. Nichtsdestotrotz ist es weitaus salonfähiger, offensichtlich verkatert zur Arbeit zu erscheinen, als mit zyklusgebeuteltem Frauendasein. Da muss sich dringend etwas ändern. Für den Anfang wäre es hilfreich, würden Frauen sich mehr austauschen. Den Mut aufbringen, offen dazu zu stehen, wenn der Zyklus zuschlägt. Vor allem aber sollten wir die Männer mit einbeziehen, um langsam in ein strukturelles Verständnis zu gelangen.
Anstelle eines doofen Spruches täte es ein Wärmekissen. Eine Tasse Tee. Irgendwas, hauptsache kein blöder Witz.
Nicht alle Frauen sind gleich stark betroffen, so manch eine hat nie Probleme mit ihrem Zyklus. Das macht es aber für diejeneigen, die durchaus Probleme haben, nicht einfacher. Solange wir Frauen uns gegenseitig in die Pfanne hauen, kann es keine Besserung geben. Solange wir uns nicht solidarisch verhalten und uns gegenseitig schräge Blicke zuwerfen, anstatt einander die Hand zu reichen, wird sich nichts verändern.
Spanien steht am Anfang einer Veränderung und ich denke, das kriegen wir auch hin. Lasst uns mehr darüber reden. Der weibliche Monatszyklus gehört zum Leben einer Frau dazu und ist definitiv der Rede wert. Es gibt nichts, wofür Frau sich da schämen müsste, nichts, wovor die Gesellschaft geschützt werden müsste. Dieses Thema gehört auf den Tisch des 21. Jahrhunderts.