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Über Glaubenssätze

Immer häufiger lese und höre ich etwas über sogenannte „Glaubenssätze“. Doch was ist das überhaupt und warum lohnt sich ein Blick auf unsere eigenen Glaubenssätze?

Glaubenssätze sind Überzeugungen, die tief in unserem Unterbewusstsein verankert sind. Die meisten Glaubenssätze etablieren sich in unserer Kindheit und Jugend im Zusammensein mit unseren engsten Bezugspersonen. Innerlich glauben wir fest an diese Sätze; sie stellen für uns die Wahrheit dar. Unterschwellig wirken diese Sätze sich auf unseren Alltag und unser Leben aus- sie können uns also entweder voran treiben oder ausbremsen.

Glaubenssätze können sowohl positiv, als auch negativ formuliert und hinterlegt sein. Positive Beispiele sind „Ich kann das schaffen“ oder „Ich bin gut so wie ich bin“. Negative Beispiele können sein „Ich schaffe das nie im Leben“ und „Ich bin nicht gut genug“.

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Ein Mensch, erfüllt von positiven Glaubenssätzen, wird vermutlich auch frohen Mutes durch das Leben schreiten. Schließlich ist dieser Mensch weitestgehend im Reinen mit sich selbst, besitzt ein gutes Maß an Selbstwertgefühl und an Selbstvertrauen. Ein Mensch, der viele positive Glaubenssätze verinnerlicht hat, lebt diese aus. Doch was passiert mit den Menschen, die von negativen Glaubenssätzen erfüllt sind?

Als Beispiel nehme ich an dieser Stelle mal den Satz: „Ich kann das nicht“. Tief verwurzelt im Unterbewusstsein beeinträchtigt dieser Satz nun das Leben, ohne, dass er dabei Aufmerksamkeit erregt. Wann immer nun eine neue Herausforderung im Leben ansteht, z.B. eine Prüfungssituation, ein Vorstellungsgespräch oder auch große Ereignisse wie z.B. die Geburt eine Kindes, kann sich dieser Glaubenssatz melden. Die erste Reaktion auf diese Herausforderungen kommt aus dem Unterbewusstsein und lautet „Ich kann das nicht“. Logisch, denn ist unser Verstand mit der aktuellen Situation überfordert, übernimmt das Unterbewusstsein und reagiert mit Hilfe unserer Glaubenssätze, die ja innere Überzeugungen sind. Gehe ich jedoch mit dieser negativen Einstellung in eine Prüfung, wo noch Aufregung hinzu kommt, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ich es wirklich vergeige. Die Negativspirale dreht sich, das eine begünstigt das andere. Blackout. Das Ding ist gelaufen.

Hier wird also deutlich, warum sich ein Blick auf unsere eigenen Glaubenssätze lohnt. Sie beeinflussen uns, ob wir wollen oder nicht, tagtäglich- mal mehr, mal weniger. Die gute Nachricht ist: Sobald ein negativer Glaubenssatz gefunden wurde, lässt er sich auflösen. Aber wie kann ich meine negativen Glaubenssätze aufspüren?

Es gibt eine Vielzahl an Möglichkeiten, negative Glaubenssätze aufzuspüren. Manchmal lassen sie sich in unseren persönlichen großen Problemen erkennen. Beispiel: Du bist unzufrieden in deinem Job als Büroangestellte*r, weil du viel lieber selbstständig tätig wärst als Künstler*in- nimmst aber nie einen Pinsel in die Hand. Was blockiert dich so? Es könnte ein negativer Glaubenssatz á la „Ich bin nicht gut im malen“ oder „Ich werde es nie schaffen“ sein.

Manchmal kann es auch helfen, sich selbst zu hinterfragen. Beispiel: Dein Herz schlägt schneller bei der Idee, eine neue Sportart (z.B. Surfen) auszuprobieren- du verwirfst diese Idee aber sofort wieder, weil du davon überzeugt bist, dass du es eh nicht schaffst. Frage dich selbst: Warum denke ich eigentlich, dass ich es nicht schaffen kann? Spricht etwas körperliches dagegen? Nein? Gut, denn dann ist es vielleicht ein Glaubenssatz wie „Ich schaffe nie, was ich mir vornehme“ oder „Ich bin in sowas nicht gut“.

Eine weitere Möglichkeit, so einen Glaubenssatz zu erkennen, ist der Blick in die eigene Kindheit. Wie bist du aufgewachsen? Welche Werte wurden in deiner Familie gelebt? Wurden bestimmte Sprichwörter wieder und wieder genannt (sowas wie „Jungen weinen nicht“ beispielsweise- das kann dazu führen, dass erwachsene Männer den Glaubenssatz verinnerlicht haben „Ich darf nicht weinen“)?

Wenn du so gar keine Idee davon bekommst, welche Glaubenssätze in dir arbeiten, kann es auch hilfreich sein, einfach mal im Internet zu suchen. Viele Menschen haben bereits viele Listen erstellt mit ihren eigenen Glaubenssätzen. Lies sie dir durch und schau, ob einer davon auch auf dich passt. Vielleicht wird dadurch auch einfach dein Denken angeregt und du erkennst plötzlich, was dich blockiert.

So einen Glaubenssatz zu erkennen, ist der erste Schritt, ihn dann aufzulösen oder in etwas positives umzuwandeln. Ich schreibe diesen Satz zunächst gerne auf, um ihn dann in einen positiven Satz umzuformulieren. Aus „Ich schaffe nie etwas“ kann zunächst sowas werden wie „Ich schaffe das noch nicht“. So hat der ursprüngliche negative Glaubenssatz schon weniger Kraft. Nach einer Weile lässt sich der Satz weiter transformieren, hin zu „Ich kann Dinge schaffen, die ich mir vornehme“. Diesen positiven Satz gilt es nun, regelmäßig zu wiederholen, damit er präsent wird und sich so immer tiefer in unser Unterbewusstsein festsetzt. Wichtig dabei ist, sich nicht allein darauf zu verlassen, dass ein paar positive Worte das Ruder rumreißen werden. Der Ursprung des Glaubenssatzes muss identifiziert und angegangen werden. Beispiel: Du warst als Kind vielleicht nicht am geschicktesten darin, mit deinen Bauklötzen einen Turm zu bauen. Dir wurde gesagt „Hach, du wirst es nie schaffen!“. Das ganze setzte sich dann eventuell noch in der Schule fort, weil du in einem Fach keine sonderlich guten Noten nach Hause gebracht hast. „Du wirst so nie dein Abitur schaffen!“, sagten sie. So hat sich der Satz „Ich schaffe nie etwas“ bei dir gefestigt. In diesem Falle wäre es wichtig zu sehen und zu erkennen, dass du vielleicht in kleinen Teilbereichen nicht die erwartete Leistung erbracht hast, aber dafür in vielen anderen Bereichen durchaus viel geschafft hast und talentiert bist. Ein*e schlechte*r Turmbauer*in kann trotzdem ein*e geschickte*r Puzzler*in sein. In einem Fach schlechte Noten, aber dafür in allen anderen gute Noten? Das ist doch wunderbar!

Die Erkenntnis, dass viele Glaubenssätze verursacht werden durch die Erwartungshaltung anderer Menschen (meistens die engsten Bezugspersonen der Kindheit), ist oft schon hilfreich. Denn die negativen Glaubenssätze haben selten etwas mit unserer wahren Persönlichkeit zu tun.

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Nun reicht ein positiv formulierter Satz allein aber in der Regel nicht aus. Langfristig ändert sich ein Glaubenssatz erst, wenn er durch dazugehörige Taten ins positive Licht gebracht wird. Lautet der ursprüngliche Satz also „Ich schaffe nie etwas“ gilt es, aus der Komfortzone herauszukommen und etwas zu schaffen. Kleine Schritte sind hier ratsam- wenn ich mich mein Leben lang verkrochen und nie etwas gewagt habe, werde ich von heute auf morgen auch nicht in der Lage sein, den Mount Everest zu besteigen. Für den Anfang kann es dieses eine Telefonat sein, was ich schon Wochen vor mir her schiebe. Oder endlich mal dieses Zeitschriften- Abo kündigen, was ich schon vor zwei Jahren machen wollte, weil ich sie gar nicht mehr lese. Das führt zu ersten Erfolgserlebnissen und untermauert den positiven Glaubenssatz „Ich kann Dinge schaffen, die ich mir vornehme“.

Ein professionelles Coaching, bzw. generell professionelle Hilfe ist eine weitere Option, negative Glaubenssätze zu erkennen und aufzulösen- vor allen Dingen dann, wenn ein eigenständiges Weiterkommen nicht möglich ist.

Der Blick auf die eigenen Glaubenssätze lohnt sich also immer, da vor allem die negativen Glaubenssätze uns ausbremsen und uns am erfüllten Leben hindern. Vieles von dem, was uns unterbewusst steuert, passt vielleicht gar nicht zu uns und sollte überarbeitet werden. Positive Glaubenssätze funktionieren wie Benzin: Sie bringen uns voran und führen dazu, dass wir das Leben leben, welches wir uns wünschen.

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